Wie die Schauernheimer zu ihrem Uznamen „Esel“ gekommen sind

Aus „Sagen und Geschichten aus Dannstadt-Schauernheim“ gesammelt, gestaltet und erzählt von Ruprecht Vollmar, Lehrer in Dannstadt von 1953 bis 1973, herausgegeben 1989


Die Entstehung dieses Uznamens ist auf zweifache Art zu erklären.

Die Schauernheimer Müller hatten ihre Mühle an der Marlach erbaut und ließen ihr hölzernes Wasserrad von billiger Wasserkraft antreiben.

Ein Müller hat immer mit Lasten zu tun, die zu befördern sind. Getreide- und Mehlsäcke sind schwer, Lastkraftwagen gibt’s eigentlich erst seit Ende des 1. Weltkrieges. Das einfachste Beförderungsmittel waren Esel. Die sind zwar nicht besonders geduldig, sondern ziemlich störrisch, aber von der Größe her zum Beladen gerade recht, dazu anspruchslos, auch mit einfachstem Futter zufrieden und ausdauern, kurz: Lasttiere, die für einen Müller wie geschaffen sind.

Die Schauernheimer Müller jedenfalls hielten sich früher genauso ihre Esel, wie es ihre Berufsgenossen überall taten. Und deren gab es nicht wenige in der Pfalz. Wo Bäche fließen, standen auch Mühlen.

Und in Dannstadt gewöhnte man sich daran, wenn wieder eine Fahrt zur Mühle fällig war, zu sagen:

„Märr missen widder zu de Essel“ und „Heit fahren märr zu de Essel, därfscht mit!“

Nach dem lateinischen Sprichwort „pars pro toto“, zu deutsch: „Der Teil steht fürs Ganze“, wurden schließlich auch die Leute von Schauernheim selbst mit „Esel“ tituliert.


Doch es gibt noch eine weniger harmlose Geschichte, die erklären will, warum – besonders in Dannstadt – die Schauernheimer mit dem Spitznamen „Esel“ bedacht werden.

Einmal fand ein Schauernheimer im Feld einen Kürbis. Er staunte nicht schlecht über das große gelbe Ding. So etwas hatte er noch nie in seinem Leben gesehen. Aufgeregt lief er zum Bürgermeister, und in kürzester Zeit wusste das ganze Dorf davon.

Da eilten alle Leute hinaus ins Feld, um das Wunderding zu besichtigen. Der Bürgermeister kratzte sich hinterm Ohr; einer aber meinte:“ Das ist sicher ein Ei! Was für ein Tier mag da herauskommen?“
„Wir müssen’s ausbrüten, dann wissen wir’s. Als euer Bürgermeister habe ich mit gutem Beispiel voranzugehen. Darum fange ich mit dem Ausbrüten gleich an. Frau, lauf heim und hole mir eine Stärkung für Leib und Seele!“ Damit beendete der Schulz seine Rede und setzte seine zwei Zentner Körpergewicht würdevoll auf den Kürbis, um ihn zu erwärmen und die Lebensgeister in ihm zu erwecken.

Neugierig umstanden ihn seine Dorfgenossen, gaben Ratschläge und stellten Vermutungen an. Doch als die Frau zurückgekehrt und Brot, Wurst, Käse und Wein dem Appetit des Bürgermeisters zum Opfer gefallen waren, bekamen sie es allmählich mit der Langeweile zu tun, machten aus, wer die nächsten im Brutgeschäft sein sollten, und gingen nach Hause.
Der brütende Bürgermeister hatte vorerst noch mancherlei zu überdenken. Aber als alles durchgedacht war, von vorne bis hinten und von hinten wieder bis vorne, da erwies es sich wieder einmal, dass Denken recht anstrengend ist, besonders wenn man zuvor so ausgiebig gefrühstückt hat: der brütende Bürgermeister schlief auf seinem Kürbis ein.

Gerade als die Ablösung und einige Freunde des Bürgermeisters ankamen, um nachzusehen, wie es um das Brutgeschäft stehe, da passierte es: Krachend brach der reife Kürbis unter der Last des schwergewichtigen Brüters zusammen.

Jetzt erst entdeckten die Ankömmlinge das Eselchen hinter ihrem erschrocken zu Boden gegangenen Bürgermeister und staunten nicht schlecht über das Brutergebnis.

„Er hat einen Esel ausgebrütet!“ schrien sie so laut, dass die Leute im nahen Dorf aufmerksam wurden und schleunigst herbeieilten. Jeder wollte das Wunder sehen, und so standen bald fast alle Dörfler um ihren Bürgermeister und das „ausgebrütete“ niedliche Eselskind herum.

Ihren Irrtum mussten sie aber bald erkennen, als der Müller mit der aufgeregten Eselmutter auftauchte, woraufhin das Eselchen prompt zur Mutter eilte und lustvoll zu trinken begann.

Warum die Schauernheimer „Esel“ genannt werden ? Danach braucht ihr mich jetzt nicht mehr zu fragen.