50 Jahre Gebietsreform

Im Zuge der Gebietsreform wurden 1969 die Ortsgemeinden Dannstadt-Schauernheim, Hochdorf-Assenheim und Rödersheim-Gronau zusammengeschlossen. Auch wenn die Fusion der bis dahin selbstständigen Orte teils auf heftigen Widerstand stieß, so brachte die Gebietsreform viele Vorteile. Schon lange ist man zusammengewachsen, agiert seit 1972 unter dem Dach der gemeinsamen Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim. Und doch sind 50 Jahre Gebietsreform ein Anlass, zurückzublicken und sich zu erinnern. An Frotzeleien zu Fronleichnam, an Aufreger im Gemeinderat und an Fußballspiele, die nur gemeinsam gewonnen werden konnten.

50 Jahre Gebietsreform - Erinnerungen, Geschichten und Bilder aus der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim

Im Folgenden lassen wir Bürger aus der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim zu Wort kommen, die sich für uns erinnert haben an die Zeit vor und nach der Gebietsreform von 1969. Die Tageszeitung DIE RHEINPFALZ gibt in einer Sonderbeilage vom 17. August 2019 zudem einen guten Überblick über die Umsetzung der Reform im Rhein-Pfalz-Kreis.


Auflösung der Gemeinden und ein neuer Zusammenschluss

Winfried Seelinger ist für das Archiv der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim verantwortlich und hat anlässlich 50 Jahre Gebietsreform intensiv in damaligen Unterlagen gestöbert. Er hat Ratsprotokolle ausgewertet und Presseberichte aus jener Zeit herausgesucht. Und er hat hier zusammengefasst, wie sich die politische Situation und die Stimmung in der Bevölkerung damals dargestellt hat.

 

In der Gesetzesvorlage hieß es: „Die Landesregierung Rheinland-Pfalz hat vorgesehen, im Rahmen einer umfassenden Gebiets- und Verwaltungsreform, mehrere hundert Gemeinden aufzulösen und ihr Gebiet in das anderer Gemeinden einzugliedern, bzw. die Gebiete der aufgelösten Gemeinden zu neuen Gemeinden zusammenzuschließen.“ Über die Konsequenzen und die Umsetzung vor Ort informiert uns Archivar Winfried Seelinger in diesem Überblick zur Neubildung von Dannstadt-Schauernheim, Hochdorf-Assenheim und Rödersheim-Gronau.


Gemeinsam kann man gewinnen - Ortsgrenzen spielten beim Fußball schon damals keine Rolle

Horst Renner (61) wohnt in Dannstadt, ist aber, wie er sagt, bekennender Dannstadt-Schauernheimer, da er familiäre Wurzeln in beiden Ortsteilen hat. Der Leiter der Kommunalen Betriebe der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim erinnert sich an den Sommer 1969 als Jugendfußballspieler:

 

„In den beiden Fußballvereinen SV Schauernheim und FG Dannstadt gab es keine Jugendmannschaften mehr. Da fanden sich die Verantwortlichen zusammen und wagten einen Neuaufbau mit Kindern aus beiden Ortsteilen. Die Schauernheimer kamen mit dem Fahrrad zum Training und den Heimspielen und trugen das Trikot der FG Dannstadt. Diese Truppe blieb bis zum letzten A-Jugend-Jahr zusammen, spielte die letzten beiden Jahre erfolgreich in der höchst möglichen Spielklasse gegen Vereine wie den Ludwigshafener SC, ASV Landau und FV Speyer. Einer aus der Mannschaft packte es anschließend als erster und bislang einziger Spieler aus Dannstadt-Schauernheim, Profi zu werden Es war Kurt Lang aus Schauernheim. Er spielte in der Bundesliga beim 1. FC Kaiserslautern  und schoss ein Tor für den 1. FCK bei einem 5:0 Heimspielerfolg gegen Borussia Dortmund."

Der damalige Erfolgstrainer ist Otmar Magin (auf dem Foto stehend ganz rechts), der in diesem Sommer seinen 80. Geburtstag feierte. 

Begonnen hatte alles im Gründungsjahr der Ortsgemeinde Dannstadt-Schauernheim. Zwischenzeitlich gab es eine Jugendspielgemeinschaft und aktuell tragen die Jugendlichen – auch Renners beiden Söhne Pascal und Julian – das Trikot des SV Schauernheim.

Ganz gleich, welche Farbe das Trikot hat, meint Horst Renner, fußballerischen Erfolg können die Jungs aus Dannstadt-Schauernheim nur haben, wenn sie gemeinsam auf Torjagd gehen – wie damals schon.


Die Schule brachte die Kinder zusammen

Leo Scheller (57), wohnt in Rödersheim-Gronau und ist dort Museumswart. Er gehörte zu den ersten Erstklässlern der Grundschule „Am Neuberg“. Sie feierte 2017 50-jähriges Bestehen, doch bis alle aus beiden Ortsteilen und beider Konfessionen dort zusammenkamen, dauerte es noch einige Jahre.

„Die Schule hat letztlich auch dazu geführt, dass man sich vermischt hat und nicht mehr streng nach Religion getrennt lebte.“

Scheller hat ebenfalls für uns im Archiv geforscht und dabei einige Bilder gefunden.

 So sah die erste gemeinsame Ansichtskarte der neugebildeten Gemeinde Rödersheim-Gronau aus.


Dieses Bild zaus dem Jahr 1994 eigt den Grenzstein der neugebildeten Gemeinde Rödersheim-Gronau, im Hintergrund sieht man das erschlossene Grundstück für den Netto-Markt.





Das ist die Urkunde, die unter dem Grenzstein in Rödersheim-Gronau einbetoniert wurde.

Auf der ehemaligen Grenze der beiden Ortsteile wurde 1994 ein Gedenkstein errichtet, der an die Zusammenlegung von Rödersheim-Gronau erinnert. Das Bild zeigt den damaligen Ortsbürgermeister Otto Gerdonbei der Einweihung des Dorfsteins. 50 Jahre nach der Gebietsreform sind die Orte zusammengewachsen und die ehemalige Grenze kein Thema mehr.

Alle Fotos: Archiv Museum Rödersheim-Gronau


Stück für Stück zusammengewachsen ohne die Besonderheiten zu verlieren

Günter Fußer (65), wohnhaft in Dannstadt, arbeitete bis zu seinem Ruhestand viele Jahrzehnte in der Verbandsgemeindeverwaltung Dannstadt-Schauernheim. Zur Zeit der Gebietsreform war er noch nicht im Rathaus, aber auch er erlebte die Auswirkungen in der täglichen Arbeit, zuletzt als Büroleiter mit.

„Nach der Fusion musste man sich finden und tat das auch. Schon weil man wusste, dass man als einzelne Gemeinde nicht so groß ist und in vielen Dingen die Interessen gleich waren. Rödersheim-Gronau hatte es sicherlich schwerer, weil sie zuvor verschiedenen Kreisen zugehörig waren. Doch sehr früh hat man dort ein Baugebiet in der Mitte umgesetzt, so dass man räumlich dadurch zu einer Gemeinde wurde. Auch in Hochdorf-Assenheim rückte man über neue Wohngebiete zusammen. Nur in Dannstadt-Schauernheim verhindert die Brücke ein wenig das Zusammenwachsen. Wobei das fast stärker bei Neubürgern als bei Alteingesessenen zu beobachten ist.

Vorher gab es schon ehrenamtliche Ortsbürgermeister, die sich um ihren Ort gekümmert haben. Nur Dannstadt hatte aufgrund seiner Größe einen hauptamtlichen Bürgermeister, der nach dem Zusammenschluss später auch Bürgermeister von Dannstadt-Schauernheim wurde. Herr Wenisch hatte früh den Mut, die Feuerwehr zusammenzulegen und hat in Dannstadt-Schauernheim viel bewegt, was den Zusammenschluss gefördert hat.

Die Besonderheiten sind auch nach all den Jahren nicht vergessen, aber dennoch ist man Stück für Stück zusammengewachsen.“



Nur mit Gummistiefeln zum Tanzen

An die Zeit der Gebietsreform erinnert sich Günter Chor (67) aus Schauernheim nur noch vage. Aber eine Geschichte seiner Eltern ist ihm im Gedächtnis geblieben: 

„Mitte der 1950er Jahre war die Limburgstraße noch wie ein Feldweg, roter Sand bedeckte den Weg. Und wenn es nass war, war der Weg in einem entsprechenden Zustand. Wenn meine Eltern, so erzählten sie mir, am Wochenende ausgehen wollten, zum Tanzen nach Mutterstadt zum Beispiel, so gingen sie in Gummistiefeln mit dem Opa bis zur Speyerer Straße. Dort zogen sie ihre Tanzschuhe an und der Opa ging mit den Gummistiefeln zurück. Nachts zogen sie dann ihre Tanzschuhe aus und gingen barfuß zurück zur Limburgstraße.“


Katholik oder Protestant - bei der Konfession hörte der Spaß auf

Der Rödersheimer Nikolaus Hofen (81) war bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2003 Akademischer Direktor am Institut für Germanistik der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau. Seine jahrzehntelange Tätigkeit als Jury-Mitglied und -Sprecher des Mundart-Wettbewerbs Dannstadter Höhe bescherte ihm zusätzliche Kenntnis der Pfalz und ihrer Besonderheiten. Ganz genau erinnert er sich an das, was Rödersheim-Gronau an der Tagesordnung war: Trennung aufgrund von Konfession und Kreiszugehörigkeit.

"Vor der Zeit der Gebietsreform (50er/60er Jahre) war das Verhältnis der beiden selbstständigen Dörfer Alsheim-Gronau und Rödersheim, geprägt von Trennung: Verwaltungsstrukturell  und nach Kreiszugehörigkeit gehörte Alsheim-Gronau zum Landkreis Ludwigshafen, Rödersheim nur ca. 300 Meter entfernt, mal zu Dürkheim, mal zu Neustadt an der Weinstraße. Alsheim-Gronau war demgemäß eher nach Osten, zum Rhein hin orientiert, für Rödersheim stand der Kompass eher nach Westen, zur Haardt.

Der eigentliche Kernkonflikt zwischen den beiden Dörfern, der protestantischen Bevölkerung in Gronau und den Katholiken in (St. Maria)- Rödersheim , hatte aber im Wesentlichen zwei andere Gründe: einen besitzbestimmten und einen religiös-konfessionellen Hintergrund. Es waren Spannungen wie zwischen einem reicheren, protestantischen und einem ärmeren, katholischen Bruder, die den sprichwörtlichen Steinwurf weit voneinander lebten und sich respektvoll zwar, doch relativ distanziert  begegneten.  Jedoch waren die Gronauer Großbauern trotz Trennung – nach Berichten der alten Rödersheimer - stets bereit, mit ihren starken Kaltblütern oder schweren Ackergeräten und Fuhrwerken den Rödersheimer Kleinst- und Feierabendbauern zu helfen.  Dabei war es den Gronauer Großbauern aus dem hohen Selbstwertgefühl des Besitzenden heraus selbstverständlich, dem Schwächeren die helfende Hand zu reichen.

Insofern war Alsheim-Gronau und Rödersheim bereits lange vor der Gebietsreform eine solidarische und gut-nachbarschaftliche Gemeinschaft, die in schierem Frieden nebeneinander lebte. Nur in einem – für beide Dörfer neuralgischen Punkt – war diese Gemeinschaft nicht möglich und auch nicht gewollt. Die konfessionelle Trennung zwischen dem protestantischen Alsheim-Gronau und dem katholischen Rödersheim wirkte wie eine unsichtbare undurchdringliche Mauer oder wie ein sehr tiefer Graben und führte mitunter zu den unwahrscheinlichsten Geschichten. Besonders dann, wenn die Rödersheimer Katholiken ihre Konfession und damit verbundene rituelle Handlungen öffentlich machten, waren die Reaktionen seitens der Gronauer Protestanten heftig bis unverhohlen abneigend, hin und wieder gar von frechen Attacken bestimmt.

Ein Ereignis im katholischen Kirchenjahr, bei dem die Emotionen besonders offen und heftig zutage traten, war das jährliche Fronleichnamsfest mit seiner Prozession, wobei sich alle Katholiken stolz, laut singend und laut betend hinter dem Allerheiligsten her durch die mit Blumen gesäumten Straßen und vorbei an barock geschmückten Häusern bewegten.

  

Evangelisch oder katholisch - der Ortsteil und die Konfession hingen lange Zeit eng zusammen. Dies galt auch für die Ortsgemeinden Dannstadt-Schauernheim und Hochdorf-Assenheim. Fotos: Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim


Eines Jahres hatten sich – wie immer – noch ehe die Prozession begann, bereits viele Gronauer in den Rödersheimer Straßen, vornehmlich im „Gässel“ und an Ecken versammelt, um „de Kadollische ehr’n Umzug“ zu betrachten. Belustigt sparten die Gronauer Zaungäste – zum unsäglichen Zorn der Rödersheimer Prozessionsteilnehmer – nicht mit Häme, wenn irgendetwas nicht so ablief wie geplant, wie zum Beispiel, wenn sich die mitgetragenen Standarten im aufkommenden Sturm ineinander verhedderten und die Träger (meist Messdienerbuben wie ich) hin- und hergerissen und allen die Kleider um die Köpfe gefetzt wurden. Die größte Schadenfreude brachten plötzliche Gewitter und Regengüsse, die die Prozession abrupt auflösten. Für Gronau hieß das – nicht laut gesagt, aber sicher gedacht – „weren se halt dehäm gebliewwe, die Betbrieder“.

Ansonsten aber verhielten sich alle Gronauer Gäste respektvoll und störten die Prozession nicht – bis auf einen Fall:

Schwere Provokation war eines Jahres ein Zuruf der umstehenden Gronauer, als die große Holzfigur der heiligen Jungfrau Maria von Lourdes, die das Jahr über in der Kirche auf einer Stele ihren Platz hat, von Frauen und Mädchen auf den Schultern vorbeigetragen wurde. Aus einer Gruppe junger Burschen war zu hören: „Na, hot se heit a mitgedirft an die frisch Luft? E bissl blass isse jo so um die Nas rum!“ Nur mit Mühe brachten die Rödersheimer ihre Prozession zu Ende und die Jagdszenen begannen. Weil die Gronauer wussten, wie sie damit die Rödersheimer gereizt hatten, suchten sie rechtzeig den Fluchtweg. Nur zwei sollen erwischt worden sein, die in ihrer Not behauptet hätten, eine Trägerin und nicht die Mutter Gottes sei gemeint gewesen. Nach einer vorsorglich erteilten gehörigen Tracht Prügel sollen die beiden – unter Androhung einer noch schlimmeren Strafe – versprochen haben, sich in Rödersheim nie mehr blicken zu lassen. Ob sie ihr Versprechen gehalten haben, ist nicht überliefert. 

Und wie war das Verhältnis der Rödersheimer zu diesen permanenten Sticheleien aus Gronau?

Die Reaktionen wurden immer steiler, bis hin zu eindringlichen Warnungen des Klerus vor so viel „Bösem“. Eheschließungen zwischen Rödersheimern und Gronauern kamen – trotz geografischer Nähe – relativ selten zustande und nur dort, wo schließlich die Liebe und die Vernunft über die bornierten gegenseitigen Vorurteile und Querelen gesiegt und den Prophezeiungen von viel Ungemach in der Ehe, „wenn das Gesangbuch nicht stimmte“, selbstbewusst widerstanden. Und siehe da: Alle wurden glücklich. Wieder ein Wunder!

Katholiken sollten mit Protestanten nichts zu tun haben und umgekehrt: nichts in Gedanken, nichts in Worten und nichts im Tun. So war z.B. Kinder, die auf ihrem täglichen Schulweg zur Lokalbahnstation Assenheim durch Gronau mussten, verboten, das schmucke Gronauer Kirchlein anzuschauen. Im Religionsunterricht sind sie ernsthaft gefragt worden: „Ja, ist das überhaupt eine echte Kirche?“ Antwort: „Eher nicht!“ Begründung: „Da drin brennt ja gar kein Ewiges Licht! Verstanden? Das ist doch klar, oder?“ „Jawohl!“ Das saß und wurde nie mehr vergessen. So war’s dem Herrn Pfarrer recht.

Eine weitere „kleine“ Begebenheit machte deutlich, wie tief der konfessionelle Graben zwischen dem protestantischen Gronau und dem katholischen Rödersheim vor der Gebietsreform wirklich war: In einer Gronauer Straße war noch lange nach dem Vollzug der Gebietsreform ein Haus beflaggt mit der neuen Gemeindefahne (linke Hälfte: stilisierter Grundriss der Gronauer Burg, rechte Hälfte: Marienbild mit dem Jesuskind auf einer Mondsichel für Rödersheim). Durch die Fahne schien die aufgehende Morgensonne und strahlte neben der Gronauer Burg wie eine große goldene Kugel. Das Marienbild als Symbol für Rödersheim war kreisrund und so exakt herausgeschnitten, dass keine Spur mehr zu sehen war, außer dem großen Loch im Stoff. Man konnten Den oder Die beim Herausschneiden der „Rödersheimer Hälfte“ richtig ätzen hören: „Mit de Kadollische wemmer nix se do hawwe. Mer bleiwen fer uns.“

Auf diesem Niveau bewegte sich also – in Einzelfällen zwar, aber immerhin – das konfessionelle Leben der beiden Dörfer. Die Morgensonne, die durch die Fahne schien, könnte jedoch als Hinweis auf die Zukunft einer neuen konfessionellen Toleranz verstanden werden.

Lassen wir den alten Alsheimer-Gronauern und den alten Rödersheimern ihren gegenseitigen konfessionellen Groll. Heute wissen wir: Die Gebietsreform war notwendig und richtig und hat – besonders im Verhältnis der beiden Ortsteile zueinander – den Schalter umgelegt. So wurde vor allem die Absurdität der inneren Ferne bei  äußerer geografischer Nähe – fast – so wie beseitigt.

Beide Ortsteile sind Gewinner der Reform, denn sie sehen sich heute in neuem Licht: in gegenseitiger Achtung und Wertschätzung, in guter Nachbarschaft und Freundschaft, gemeinsam in einer Verbandsgemeinde als größerem Verbund und in einem gesegneten Landkreis der Vorderpfalz als konfessionell friedlichem und gesichertem Lebensraum.

Kleingeistigkeit und Engstirnigkeit waren gestern."

Klaus Hofen (Ortsteil Rödersheim)

Quellen:

  1. Erzählungen und Berichte meiner Urgroßmutter (Elisabeth Bayer, 1869-1966) und meines Vaters (1902-1983)

  2. Informationen und tagebuchähnliche Aufzeichnungen über die dörflichen Ereignisse von Katharina Rodach, Lehrerin und Schulleiterin der katholischen Volksschule Rödersheim

  3. Eigenes Erleben als Ministrant und Teilnehmer an den Fronleichnamsprozessionen sowie täglicher Schulweg durch Gronau zur Lokalbahnstation Assenheim

  4. Eigenes Entdecken der verstümmelten Gemeindefahne von Rödersheim-Gronau im Ortsteil Gronau


Die Gebietsreform aus Sicht der Verbandsgemeinde

"Gemeinden als gleichberechtigte Partner"

Inerview mit Bürgermeister Stefan Veth: Für bestimmte Aufgaben ist der Landkreis professioneller, spezialisierter, effizienter als einzelne Orte



Seit 2010 ist Stefan Veth Bürgermeister der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim. An die Gebietsreform von 1969 kann sich der 53-Jährige nicht mehr erinnern. Mit den Auswirkungen allerdings hat er in seinem Arbeitsalltag regelmäßig zu tun. (Foto: Thommy Mardo/frei)

  1. Welchen entscheidenden Vorteil hat der neue Kreis mit sich gebracht?

    Die Reform war in der damals schon einsetzenden Mobilität sicher notwendig, um Aufgaben zu konzentrieren und eine gewisse Spezialisierung der Zuständigkeiten zu ermöglichen. 

  2. Die Gebietsreform war also im Nachhinein eine gute Entscheidung?

    Auf jeden Fall. Die damaligen Landkreise waren für die aufkommende Mobilität, die Entwicklungen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen einfach zu klein, um eine effiziente und moderne Aufgabenerledigung zu bündeln. Ein guter Grund, die kleinen Landkreise aufzulösen und unabhängiger vom Einfluss der späteren kreisfreien Städte zu machen, war der, dass alle heutigen Kreisgemeinden über fast gleiche Strukturen und damit ähnliche Aufgaben und Problemstellungen verfügten. Dies alles in einem Landkreis zusammenzufassen, war sicher der richtige Weg.

  3. Was macht den Kreis aus Sicht der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim aus?

    Der heutige Kreis ist in unserer föderalen Gemeinschaft die nächste übergeordnete Behörde und vertritt die Kreisgemeinden für höhere Aufgaben nach außen. Er ist zudem ein Zusammenschluss, um wichtige Gemeinschaftsaufgaben zu leisten, vor allem bei sozialen Angelegenheiten. Aber auch bei Katastrophenfällen oder beim Veterinärwesen wird der Kreis für die Gemeinden tätig. Unter dem Dach des Kreises können sich die einzelnen Gemeinden als gleichberechtigte Partner fühlen. Viele Einrichtungen des Kreises, wie zum Beispiel die Volkshochschule oder Musikschule, wären alleine durch die Gemeinden nicht zu betreiben oder jedenfalls nicht in dieser Professionalität.


(19.08.2019)