Über Wehrpflicht und Zivildienst wird viel diskutiert. Nico Formella hat sich seine eigene Meinung gebildet: „Ein Soziales Jahr oder sechs Monate sollten verpflichtend sein, da es einen selbst weiterbringt. Ob in Kita, Grundschule oder Altenpflege, hier ist man mit ganz anderen Lebenssituationen konfrontiert. Das würde auch die Gesellschaft insgesamt anders formen.“
Nico Formella weiß, wovon er spricht; er absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Bereich Jugendpflege und in der Grundschule in Rödersheim. Im August kam er aus sechs Wochen Ortsranderholung (ORE) zurück, mit ganz neuen Eindrücken. Wir haben mit ihm gesprochen.
Redaktion: Wie war die ORE-Zeit für dich?
Nico Formella: An dem Programm haben ganz unterschiedliche Kinder teilgenommen. In den ersten drei Wochen waren wir jeden Tag im Schwimmbad, in den letzten drei Ferienwochen im Wald, immer mit verschiedenen Angeboten. Das war eine sehr gute Erfahrung, auch im Team aus je einem hauptamtlichen Betreuer der Verbandsgemeinde und externen Betreuern zwischen 16 und 22 Jahren zu arbeiten.
Redaktion: Und der erste Tag nach den Sommerferien?
Nico Formella: Ich bin ja heute an der Grundschule Am Neuberg. Hier helfe ich während des Unterrichts einzelnen Kindern beim Rechnen- oder Sprache-Lernen oder unterstütze verschiedene Lehrkräfte bei Krankheitsausfällen. In der 1:1-Betreuung bin ich direkt bei dem Kind, kann auch beruhigend wirken. Die Kinder wollen lernen und ich schaue, dass ich sie dabei so gut wie möglich unterstütze, während die Lehrkräfte und anderen Kinder mit dem regulären Unterricht weitermachen.
Redaktion: Die Jugendpflege ist dazu doch ein echtes Kontrastprogramm, oder?
Nico Formella: Klar, die Themen sind schon ganz andere. Ich bin nicht viel älter als die Besucher des Jugendhauses Am Mühlenplätzel in Schauernheim, wo ich zweimal die Woche eingesetzt bin. Ich öffne das Jugendhaus, begleite hier die offene Jugendarbeit und bin Ansprechpartner, wenn es Fragen gibt. Zu den hauptamtlichen Betreuern besteht ein gutes Vertrauensverhältnis.
Redaktion: Welche Fortbildungen gibt es im Rahmen des FSJ?
Nico Formella: Ich nehme an den Seminarwochen des Paritätischen in Schifferstadt teil. Wir können als FSJler Schwerpunktthemen angeben und werden zu allgemeinen Themen geschult, für meinen Bereich im sozialen Sektor. Wir werden auch in finanzieller Hinsicht und anderen praktischen Themen geschult, die uns im späteren Leben begegnen – was an weiterführenden Schulen leider nicht gemacht wird.
Redaktion: Wirst du beruflich etwas in der Richtung machen?
Nico Formella: Meine Berufswahl ist schon ziemlich gefestigt: Kindheitspädagogik, das ist die akademische Stufe des Erziehers. Man arbeitet mehr mit dem Kind, lehrt es zum Beispiel, sich selbst zu behaupten und die eigene Persönlichkeit zu entfalten. Das neue Ganztagsförderungsgesetz (GAFÖG), das auch die Frühbetreuung einbezieht, schafft an der Stelle zusätzliche Arbeitsplätze in der Betreuung: Eltern haben das Recht auf Betreuung ihrer Kinder bis 16 Uhr, dazu gehört Sport, Essen, Hausaufgabenbetreuung, also mit den Mitteln, die man als Betreuer hat, die Freizeit gestalten. Das hat schon große Ähnlichkeit mit der FSJ-Tätigkeit.
Redaktion: Am 31.08. ist dein letzter Tag als „FSJler“ in der Verbandsgemeinde, wie geht es dir damit?
Nico Formella: Ich bin glücklich hier und es ist alles gut, so wie es ist. Ich kann jedem nur empfehlen, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren. Im Moment orientiere ich mich für die Zeit danach. Ein Nachfolger für mich ist auch schon gefunden.

Das Jugendhaus "Am Mühlenplätzel", Lorscher Straße 31, in SCHAUERNHEIM
hat Dienstag, 17 bis 21 Uhr, und Samstag, 17 bis 21 Uhr, für Jugendliche ab 13 Jahren geöffnet. Sollten keine Besucher da sein oder sich angekündigt haben (telefonisch unter 06231 401-118), schließt das Jugendhaus um 19 Uhr.
