Pfälzer Gutselorden

Der Pfälzer Gutselorden ist ein Sonderpreis des Kultur- und Heimatkreises Dannstadter Höhe. Er wird einer Person zuerkannt, die sich in herausragender Weise für die Pfälzer Mundart aktuell einsetzt bzw. lange Zeit eingesetzt hat. Sei es, dass deren Mundarttext Kultur, Leben oder Tradition unserer Region in besonderer Weise beleuchtet. Dies kann in literarischer, musikalischer, szenischer oder filmischer Form erfolgt sein sowie über ein außergewöhnliches Engagement, das die Pfälzer Mundart fördert. 2021 verleiht der Kulturkreis Dannstadter Höhe erstmals den Pfälzer Gutselorden. Der neue Preis wird beim Finale des Mundart-Wettbewerbs Dannstadter Höhe am 3. September 2021 verliehen. Der erste Preisträger ist Michael Konrad.

Erster Pfälzer Gutselorden geht an Michael Konrad

Neuer Preis des Kultur- und Heimatkreises Dannstadter Höhe

Der erste Preisträger des neu vergebenen Pfälzer Gutselordens ist Michael Konrad. „Diese Auszeichnung wird ab dem Jahr 2021 vom Kultur- und Heimatkreis Dannstadter Höhe im Rahmen des Mundart-Wettbewerbs Dannstadter Höhe vergeben, um besondere Leistungen im Bereich der Pfälzer Mundart zu würdigen“, betont dessen Vorsitzender Thomas Keck. „Michael Konrad steht seit fast zwei Jahrzehnten wie kaum ein anderer für den öffentlichen Diskurs über die Pfälzer Mundart“, erläutert Michael Landgraf, Jurysprecher und Moderator des Dannstadter Mundartwettbewerbs, die Wahl durch den Kultur- und Heimatkreis.

In der Begründung heißt es: „Michael Konrads Reihe `Saach blooß´ und die Suche nach Besonderheiten der Pfälzer Sprache sowie Lieblingswörtern der Pfälzer motiviert eine Vielzahl von ZeitungsleserInnen, sich mit pfälzischen Begriffen und Redewendungen auseinanderzusetzen. Seine Kolumne `Ich mään jo blooß´ regt jeden Sonntag zum Nachdenken an. Zahlreiche Publikationen in Buchform entstanden aus den Artikeln. Darüber hinaus präsentiert er seine Erkenntnisse über das Pfälzische gewitzt und hintersinnig im Rahmen von Vorträgen und musikalischen Lesungen. So sorgt der Preisträger auf vielfältige und niveauvolle Weise dafür, dass das Pfälzische lebendig bleibt.“

 

Kurzinfo zu Michael Konrad

Geboren 1967 in Landau, mehrere Jahre Studium der Germanistik und Anglistik in Heidelberg und Saarbrücken. Seit 1994 arbeitet er bei der RHEINPFALZ, zunächst in den Lokalredaktionen und im Ressort „Südwestdeutsche Zeitung“, seit 2006 bei der neu gegründeten RHEINPFALZ am Sonntag.

Auszeichnungen: 2013 wurde er in Bockenheim mit dem Preis der Emichsburg ausgezeichnet und 2018 in Freinsheim mit der Hermann-Sinsheimer-Plakette.

 

Interview mit Michael Konrad

Michael Konrad, erster Preisträger des Pfälzer Gutselordens, im Gespräch mit Michael Landgraf, Jurysprecher und Moderator des Mundart-Wettbewerbs Dannstadter Höhe


 Wie geht der´s dann dodemit? Was bedeutet Ihnen der Pfälzer Gutselorden?

Es isch velleicht blooß en klänne Schritt fer die Menschheit, awwer ganz sicher en großer Schritt fer en Pälzer! Im Ernst: Ich bin begeistert. Es ist mir eine Ehre, dass mir als erstem Menschen überhaupt der Pfälzer Gutselorden verliehen wird. Ich musste allerdings drei Sekunden lang nachdenken, bis es „geschnackelt“ hat, dass hier ganz wunderbar der Bogen gespannt wird zum legendären Gutselstand auf der Dannstadter Heh. Die „Dannde Liesel“ hatte es dagegen sofort kapiert: „Die hedden dir g’scheiter äns middem Knewwel iwwergezoche!“ Was soll mer do saache?


Wem gherschdn du? Wo liegen Ihre Wurzeln und welche Mundart sprechen Sie?

Ich bin aufgewachsen und lebe in Landaach, also in Landau in der Pfalz. Mein Vater war Pfälzer und meine Mutter, nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Osten in die Pfalz gekommen, hat sich schnell pfälzisch assimiliert. Meine Sprache ist Landauerisch, deed ich emol saache.

 

Warum machscht dann des? Wieso drücken Sie sich gern Mundart aus?

Im Dialekt kann ich mich auf manchen Ebenen besonders gut und sogar klarer ausdrücken als im Hochdeutschen. Das erlebe ich im Alltag und spüre es auch in meinen Mundart-Kolumnen „Ich mään jo blooß“. Mancher Kommentar wird da auf Pfälzisch frecher, als das auf Hochdeutsch möglich wäre. Auch Komik funktioniert gut auf Pfälzisch. Allerdings schränkt der Dialekt manchmal auch ein – den Leserkreis zum Beispiel.

 

Wie kummschd dodezu? Was waren die Wurzeln ihrer Arbeit als Mundart-Kolumnist?

2002, als ich in der Südwest-Redaktion der RHEINPFALZ arbeitete, hatte ich die Idee, Leserinnen und Leser mit einer Aktion ins Boot holen. Also startete ich die Mitmach-Serie „Saach blooß“. Die Suche nach der Erklärung für Mundartbegriffe gestaltete sich sehr erfolgreich, sodass das Ganze eine langlebige Reihe wurde, die bis heute läuft. Als dann Ende 2006 die RHEINPFALZ am Sonntag ins Leben gerufen wurde, hatte ich genug Dialekt-Erfahrung, um den Schritt zu einer wöchentlichen Mundart-Kolumne zu wagen. Die Pfalz- und Pfälzisch-Seiten unserer Sonntagszeitung bieten seither Reportagen, Regionalinformationen, die Karikatur „100 Prozent Pälzer“ von Steffen Boiselle, gehaltvolle Texte zur pfälzischen Geschichte von Daniel Krauser im Wechsel mit starken Weintipps von Jürgen Mathäß und eben meine Kolumne – ein regionales Konzept, das anscheinend ankommt bei den Lesern in der Pfalz.

 

Wer wills hawwe? Welches Bedürfnis befriedigt die Mundart-Arbeit?

Der Zuspruch kommt aus allen Ecken und Schichten, von Dialektsprechern und „vun zugerääsde Hochdeitschbabbler“, von Menschen, die Spaß am Pfälzischen haben oder sich ernsthaft mit der Mundart auseinandersetzen wollen. Sie sind wie ich gespannt, welche Wörter und Redensarten es für welche Dinge und Situationen gibt und in welchem Kontext sie gebraucht werden. Auch die große Begeisterung für unsere Dialekt-Preisrätsel und unsere Kür von Pfälzer Lieblingsbegriffen freuen mich natürlich sehr.

 

Wie duscht dann schreiwe? Wie drücken Sie sich schriftlich in Mundart aus?

In der Regel schreibe ich, wie ich als Landauer rede. Ich schreibe kein Pseudohochpfälzisch, das kein Mensch spricht. Natürlich vermeide ich, wie sich das für einen Pfälzer gehört, den Genitiv und das Imperfekt. Da es für mich zugegebenermaßen mühsam ist, pfälzische Texte zu lesen, das geht nach meiner Erfahrung den allermeisten Menschen so, bemühe ich mich, was die Wahl der Buchstaben angeht, so einfach wie möglich zu schreiben. Damit der Lesefluss nicht unterbrochen wird, verwende ich, wenn möglich, Schreibweisen wie „Spielplatz“ statt „Schbielblatz“, „gebt“ statt „gäbbt“ oder „fünf “ statt „finf“, auch wenn es kein „ü“ im Pfälzischen gibt. Doch wenn ich etwas gezielt auf die Schippe nehmen will, kann ich auch mal wild schreiben – beispielsweise beim „Kommbjuuder“ oder beim „Psüscholooch“. Da erhöht die sprachliche Karikatur den Spaßfaktor. Fakt ist aber: Es hat mir noch nie einer explizit deshalb auf die Schulter geklopft, weil ich die Kolumne auf Pfälzisch schreibe. Ich weiß daher sehr genau, dass es auf die Botschaft ankommt, die gut sein muss, auf den Esprit, sonst lesen es die Leute nicht. Eine größere Breitenwirkung hätte die Kolumne sicher auf Hochdeutsch, doch Klartext mit Tiefenwirkung, das geht oft besser auf Pfälzisch.

 

Was willschn dodemit saache? Welche Themen sprechen Sie an?

Es gibt für mich keine Einschränkungen. Ich kann politische Themen aufgreifen oder Politiker auf die Schippe nehmen und mich sogar zu Anschlägen wie dem Überfall auf die Redaktion von Charlie Hebdo auf Pfälzisch äußern. Oft sind es aber Themen des Alltags, die mich zum Schmunzeln anregen und woraus Kurzdramen oder Glossen uff Pälzisch entstehen. Es gilt für mich: Pfälzisch kann, muss aber nicht lustig sein.

 

Was is mit de Dannde Liesel? Wer gehört zum Pfalz-Universum des Michael Konrad?

Bei der „Dannde Liesel“ wurde ich inspiriert von Ephraim Kishon und dessen fiktivem Freund Jossele, einer wunderbaren satirischen Figur, aber auch von einem Mitmacher bei der Serie „Saach blooß“ aus Ludwigshafen, der eine fiktive Großmutter zu Wort kommen ließ. Die Dannde Liesel ist ein klassisches Alter Ego mit Eigenleben, das mich selbst oft überrascht. Natürlich kommen hier auch Erinnerungen an frühere Generationen hoch. Dann ist da meine clevere und stets souveräne „Mitbewohnerin“, durch deren Mitwirken ich das Zusammenleben auf die Schippe nehmen kann. Auch wenn meine Frau manchmal als „Mitbewohnerin“ angesprochen wird, spiegeln die Kolumnen natürlich niemals unser reales Leben wieder. (MK schmunzelt). Auch ich kann aufräumen. Mein Kumpel Fred ist nicht ein einzelner echter Freund, sondern das sind eine Vielzahl von Stimmen, die mir begegnen und die ich auf diese Weise verarbeite.

 

Was machschtn alles? Wie sind sie mit Mundart unterwegs?

Ich freue mich riesig, dass Ende Oktober eine Gesamtausgabe von „Saach blooß“ mit 572 Seiten bei Lipplerbookz erscheinen wird, außerdem der ultimative Test „Können Sie Pfälzisch?“ für jeden daheim zum Selbermachen. Beides mit vielen Karikaturen von Uwe Herrmann. Vermutlich im Frühjahr wird ein Band mit Kolumnen aus der Reihe „Ich mään jo blooß“ erscheinen. Ich trete gerne mit Texten auf, manchmal zusammen mit Freunden, zuletzt mit der Sopranistin Ilse Berner, die wunderbar wunderbare Lieder von Peter Schrass singt. Das Hören meiner Texte ist für manche ein guter Einstieg ins Lesen. Seit 2020 bin in der Jury des Bockenheimer Mundartdichter-Wettstreits, als Nachfolger von Rudolf Post, eine große Ehre.

 

Wo geht’s dann hie? Wie sieht Ihre Zukunftsvision für das Pfälzische aus?

Insgesamt bin ich für das Pfälzische nicht pessimistisch. Wie in den vergangenen Jahrzehnten werden sicher Begriffe und Redensarten verschwinden, aber warum auch nicht? Wenn es keine Nachttöpfe mehr gibt, braucht es auch den „Bottschamber“ nicht mehr. Den müssen wir dann auch nicht künstlich am Leben erhalten. Die Mundart wird es aber weiterhin geben, sie wird sich weiterentwickeln und verändern, aber nicht verschwinden. Schauen Sie mal ins Internet, wie oft da Pfälzisch gebabbelt wird. Es gefällt mir zwar nicht alles, was ich da sehe, aber lebendig ist der Dialekt im Netz auf jeden Fall. Und auf der Straße sowieso.

 

(24.08.2021)

 

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